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Agile Lerncoaches – Begleitung von zeitgemäßem Lernen

Individuelles und selbstgesteuertes Lernen ist schon seit Langem in der Lehr- und Lernforschung bekannt. Heutzutage gilt es gar als Future Skill. Agile Lehr- und Lernprozesse in Unternehmen zu etablieren, benötigt jedoch Unterstützung. Einen wertvollen Beitrag leisten agile Lerncoaches.

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AutorInnen: Peter Schmidt, Eva Dirr-Bubik

Es wäre so schön: Jederzeit zu wissen, was Menschen in Unternehmen lernen möchten. Ihnen ein individuelles Lernangebot zur Verfügung zu stellen und dieses genau so zu gestalten, dass sich jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin ihren Aufgaben gewachsen fühlt. Soweit die Wunschvorstellung. Und dann ist da die Realität: Ein Dschungel voller alter und neuer Technologien samt komplexen Anforderungen an Sicherheit, Datenschutz und digitaler Ethik. Gepaart mit einer Flut an Kursen, Lernplattformen, Ausbildungsangeboten und Wissensquellen. Was können wir also tun, um in der realen Welt eine förderliche Lernumgebung zu schaffen, in deren Mitte die Bedürfnisse der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stehen? Bei der Beantwortung dieser Frage kann ein agiler Lerncoach weiterhelfen.

Lernen auf mehreren Ebenen

Um der Herausforderung des Lernens zu begegnen, braucht es professionelle Unterstützung auf mehreren Ebenen. Zu diesen gehören die strategische Unternehmensentwicklung, die Teams und die einzelnen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Ebenen des Lernens
Abbildung: Ebenen des Lernens Bildnachweis: Quality Minds GmbH

Es beginnt auf der Ebene der einzelnen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, mit anderen Worten: Die Lernenden stehen im Mittelpunkt des agilen Coaching-Ansatzes. Sie bringen ihre individuellen Bedürfnisse, Vorkenntnisse, Stärken und Ressourcen mit. Gleichzeitig sind sie es, die direkt mit aktuellen Entwicklungen und Anforderungen konfrontiert werden. Um den Erfolg beim Lernen sicherzustellen, sollten passende Lernressourcen und individualisierte Vorgehensweisen (auch kurzfristig) zur Verfügung stehen. Es geht nicht nur darum, was wir lernen, sondern wie: Um Lernende in den Mittelpunkt agiler Lehr- und Lernprozesse stellen zu können, muss verstanden werden, was zum Lernen gebraucht wird und welche Methoden sich zum Lernen eignen.

Auf der Gruppenebene der Teams und Abteilungen entsteht die Dynamik einer Lerngemeinschaft. Wo zunächst noch lernende Individuen standen, befindet sich nun ein vielfältiges Gruppengefüge. Unterschiedliches Vorwissen und verschiedene Erfahrungen bilden zusammen mit Teamaufgaben und Teamzielen die Basis für Gruppenlernprozesse. In der Gruppe kann das Lernen im Diskurs einen positiven Effekt haben: Wenn Erlerntes geteilt, diskutiert und von verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird, kann dies für alle Teilnehmenden förderlich sein.

Auf der strategischen Unternehmensebene sollte die Frage geklärt werden, welche Rolle das Lernen in der Unternehmensstrategie übernehmen soll. So können Rahmenbedingungen für selbstgesteuertes und eigenverantwortliches Lernen gesetzt werden: Wichtige Fragen sind u.a.: Welche Ressourcen stellt das Unternehmen bereit? Wie kann der Lernprozess im Unternehmen unterstützt werden? Braucht es Zeit, Geld, Organisation, Steuerung oder eine bestimmte Infrastruktur? Auf allen Ebenen können agile Lerncoaches eine wertvolle Unterstützung sein.

Die Rolle der agilen Lerncoaches

Agile Lerncoaches vereinen verschiedene motivations- und stärkenorientierte Rollen und sind u.a. als Individualcoach, Lernexperte und Scrum Master tätig. Hinter diesen Rollen steht ein agiler Lernansatz, der Erkenntnisse aus der Lehr- und Lernforschung mit agilen Prinzipien und Frameworks kombiniert.

Im Individualcoaching unterstützen agile Lerncoaches die Lernprozesse ihrer Coachees. Sie regen die Reflexion über persönliche Ziele, Motivation, Stärken und das eigene Vorgehen an. Aufgrund vergangener Lernerfahrungen in der Schule, während der Ausbildung oder auch bei betrieblichen Weiterbildungen ist das für viele Lernende oft ungewohnt: Selbststeuerung und Eigenverantwortung im Lernprozess zu übernehmen, kann verunsichern, da dieses Vorgehen oft zu wenig Aufmerksamkeit erhält. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Lernende von Beginn an begleitet werden.

Im Gegensatz zu bekannten Coachingmethoden, die auf die Aktivierung von Ressourcen und die Prozessbegleitung setzen, vermitteln agile Lerncoaches auch ihre eigene Lernexpertise. Sie geben Lernimpulse weiter, unterstützen die Lernenden beim Setzen ihrer Lernziele, vernetzen sie mit Fachexpertinnen und sorgen für die Bereitstellung von passenden Lernstrategien, -materialien und -formaten. 

Agile Frameworks schaffen

Für die Arbeit der agilen Lerncoaches sind agile Frameworks besonders wichtig: Das Scrum-Framework eignet sich besonders für den Einstieg in das agile Lernen. Agiles Lerncoaching erfordert klare Rollen und Abläufe, die genauso in der Scrum-Methode zu finden sind. Agile Lerncoaches begleiten Lernende und Teams bei der Vor- und Nachbereitung iterativer Lernphasen – den Lernsprints.

Diese werden ergänzt durch Events, Plannings, Reviews und Retrospektiven. Lernende profitieren dabei vom Prinzip des kontinuierlichen “inspect & adapt” (überprüfen und anpassen). Dabei können folgende Fragen gestellt werden: Sind die Lernziele noch aktuell? Passen die gewählten Inhalte, das Vorgehen, die Lernformate, -orte und -settings noch zu den Lernzielen? Was begünstigt bzw. erschwert den Lernprozess und was kann daraus für die Zukunft abgeleitet werden?

Wie bei der Agilität sind Kollaboration und Kooperation beim Lernen wichtig: Agile Lerncoaches wenden in der Lernumgebung nicht nur Scrum-Events an, sondern organisieren und moderieren diverse Lernformate: z.B. Pair Programming, Lerntandems, Communities of Practice oder Open Spaces. Dies sorgt ganz nebenbei für einen organisationsweiten Wissenstransfer.

Agiles Lerncoaching in der Praxis

In der Praxis sieht die Arbeit mit einem agilen Lerncoach folgendermaßen aus: Zu Beginn eines Lernsprints unterstützen die Lerncoaches Lernende dabei, passende, realistische und präzise Lernziele zu finden, diese zu formulieren, zu priorisieren sowie zeitlich zu ordnen. 

Anschließend sorgen sie für die Bereitstellung von Lerninhalten für die individuellen Lernziele, Bedürfnisse und Voraussetzungen der jeweiligen Lernenden. Darüber hinaus suchen Lerncoaches bei Bedarf passende Lernformate, indem sie Lernende mit Expertinnen oder anderen Lernenden vernetzen. Agile Lerncoaches unterstützen auch die Wissenssicherung und den Lerntransfer durch lernförderliche Übungen.

Am Ende eines Lernsprints findet ein Review-Gespräch und eine Retrospektive zwischen Lernenden und Lerncoaches statt. Ziel des Review-Gesprächs ist es, gemeinsam mit den Lernenden festzustellen was im abgeschlossenen Lernsprint erreicht wurde. Dabei werden Erfolge geteilt und das Gelernte präsentiert. Abgestimmt auf das jeweilige Lernziel können verschiedene Personengruppen einbezogen und unterschiedliche Evaluationsformate genutzt werden. Es geht also um das “Was” des letzten Sprints. 

In der Retrospektive liegt das Augenmerk hingegen auf dem “Wie”: Gemeinsam mit den Lernenden werden die angewandten Methoden und Strategien reflektiert, Erfolgsmomente und Hindernisse identifiziert. Dabei wird auch über die Metaebene des Lernens gesprochen und darüber, wie das eigene Lernen für die Zukunft verbessert werden kann. Agiles Lernen fördert damit auch metakognitive Fähigkeiten.

Der Lernsprint
Abbildung: Der Lernsprint im Überblick Bildnachweis QualityMinds GmbH

Agiles Lernen und Lerncoaching umsetzen

Damit agiles Lernen und agiles Lerncoaching in Unternehmen implementiert und gefördert werden können, sollte auf strategischer Ebene zunächst die entschiedene Überzeugung herrschen, dass dies für das Unternehmen wichtig ist. Anschließend sollten entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. 

Bewährt hat sich die Einführung eines Minimal Viable Products (kurz: MVP): Ein MVP kann eine erste Lerngruppe oder ein offenes Angebot für ein individuelles Lerncoaching sein. Erfahrungsgemäß haben Menschen, die sich freiwillig auf Neuerungen und Veränderungen im Rahmen eines Versuchs einlassen eine positive Grundhaltung. Im MVP-Stadium kann diese Offenheit aktiv genutzt werden, denn gute Erfahrungen sprechen sich herum.

Der Einstieg in die Arbeit als agiler Lerncoach eignet sich insbesondere für Menschen, die bereits in angrenzenden Bereichen tätig sind: Beispielsweise in agilen Rollen, in der Team- oder Organisationsentwicklung oder im Bereich von Moderation und Facilitation. Ein Hintergrund als Scrum Master oder in Pädagogik, Andragogik oder Lernpsychologie kann ebenfalls eine gute Grundlage darstellen. Aber auch Personen aus anderen Fachbereichen können ihre Expertise in die Arbeit als agiler Lerncoach einbringen. Wichtige Grundlagen vermittelt eine fundierte Ausbildung als agiler Lerncoach, die den zielführenden Einsatz im agilen Lerncoaching ermöglicht. 

Aus der Anwendung

Nach über 5 Jahren Erfahrung in der Anwendung können wir sagen: Agiles Lerncoaching beginnt genau da, wo der Bedarf entsteht. Das motiviert, weil geklärt ist, wofür gelernt wird und hilft dort, wo es benötigt wird. Das iterative Vorgehen zusammen mit der Orientierung am individuellen Bedarf ermöglicht schnelle und gezielte Anpassungen. Durch die individuell abgestimmte Begleitung und Unterstützung im Lernprozess sinken auch die Kosten für externe Fort- und Weiterbildungen, da sie sich nach dem tatsächlichen Bedarf richten. Nicht zuletzt ist das Anregen eines unternehmensweiten Austausches ein essenzieller Teil der Lerncoachrolle: Das stärkt Lernen als Teil der Unternehmenskultur und fördert die unternehmensweite Vernetzung von Menschen und Wissen.

Gleichzeitig lässt sich das Konzept des agilen Lerncoachings auf viele Team- und Kundenprojekte anwenden. Mehr Informationen zur Ausbildung zum agilen Lerncoach sind auf www.agiler-lerncoach.de und im Buch „Lern doch, was DU willst“ erhältlich. 

Die Autorin und den Autor dieses Artikels erreichen Sie unter learning@qualityminds.de

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