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Smartes Fahren braucht Qualitätssicherung

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Smartes Fahren braucht Qualitätssicherung

Im Inerview: Günter Schneider, Heiko Zastrau

Der ASQF hat mehrere Fachgruppen im Bereich Automotive. Wir haben die beiden Fachgruppenleiter Günter Schneider und Heiko Zastrau zum Interview gebeten.

“Smart device on wheels” ist in aller Munde. Welche aktuellen Entwicklungen und Trends finden Sie momentan im Automotive Bereich am spannendsten?

Zastrau: Der zunehmende Einsatz von elektronischen Komponenten, deren Vernetzung im Fahrzeug und zur Umgebung erfordert neue Überlegungen in der Softwareentwicklung. In der Vergangenheit war es vor allem die  funktionale Sicherheit, die die Entwicklung vor neue Herausforderungen stellte. Nun sind durch die Vernetzung neue Risikoszenarien hinzugekommen. Deshalb adressieren wir diese Themen in unseren Veranstaltungen in der
Fachgruppe.

Schneider: „Smart device on wheels“ ist natürlich mehr Slogan als konkrete Produktklassifizierung. Versteht man darunter das Fahrzeug als rollendes Büro, mobiles Kino oder Spielkonsole, erweitert das seine Nutzungsmöglichkeiten natürlich enorm. Ich würde mich freuen, beim morgendlichen Weg zum Arbeitsplatz bereits die Fahrtzeit zur vollwertigen Erledigung beruflicher Aufgaben zu nutzen. Und auf dem Heimweg dann zum Abschalten ein bisschen Daddeln oder eine Lieblingsserie schauen. Das wäre durchaus eine Steigerung der Lebensqualität, die aber erst möglich wird, wenn Fahrzeuge Level 4 Autonomie erlangen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung des autonomen Fahrens? Wie weit ist die deutsche Automobilbranche?

Schneider: Tatsächlich nehme ich im Bereich des autonomen Fahrens weniger Fortschritte wahr, als noch vor ein paar Jahren erhofft. Assistiertes und teilautomatisiertes Fahren (Level 1 und 2) sind etabliert, der Schritt zu hochautomatisiertem Fahren (Level 3) scheint für Serienfahrzeuge aber noch zu groß. Neben den technisch weitgehend gelösten Herausforderungen sind auch noch regulatorische Hürden zu nehmen. Positiv bleibt, dass auch deutsche OEMs mit Studien wie Audi Elaine, BMW Vision iNext oder VW ID Buzz den Weg zu vollautomatisiertem Fahren (Level 4) weiterverfolgen. Und Elon Musk bleibt gewohnt zuversichtlich, dass bereits Ende dieses Jahres die Grundfunktionalität für Level
5 vollständig sein wird. Auch wenn das sehr nach marketingmotiviertem Optimismus klingt, treibt dieses anspruchsvolle Ziel sicher alle beteiligten Player an.

Wie ist die Rolle der Qualitätssicherung von Software und Systemen in
der Automobilbranche zu bewerten?

Zastrau: Die Bedeutung der Qualitätssicherung nimmt natürlich zu. Diese Antwort ist weder neu noch überraschend. Qualitätssicherung im nachsorgenden Sinne, also Beurteilung dessen was produziert wurde, kann dabei immer nur feststellen, dass etwas schlecht gelaufen ist. Vorbeugend sollte gerade im Bereich Engineering von mechatronischen Systemen, in denen Software eine zunehmende Rolle spielt, auf die
Optimierung von Arbeitsweisen wert gelegt werden. Hier ist ein wichtiges Handlungsgebiet der Qualitätssicherung. Es gilt Prozesse der Entwicklung auf ihre Einhaltung von Standards und Normen aus verschiedensten Quellen – Gesetze, Standards, betriebliche Regelungen – zu prüfen und gegebenenfalls zu reagieren. Eine wichtige Basis dafür sind Prozesse, die einen Orientierungsrahmen für die Handelnden, wie die Prüfenden setzen. Viele OEM’s haben diesen Punkt bereits bei der Lieferantenbewertung in ihren Lieferketten umgesetzt.

Schneider: In meiner Funktion als Leiter des Kompetenzfelds Test der Sulzer GmbH nimmt die Qualitätssicherung naturgemäß einen hohen Stellenwert ein. Aber auch im Austausch mit unseren Kunden der Automobilbranche erlebe ich, dass je mehr „Smartness“ in den Fahrzeugen Einzug hält, die Notwendigkeit ihrer intensiven Absicherung erkannt und adressiert wird. Herausfordernd ist dabei, die stark unterschiedlichen Entwicklungsprozesse
von Fahrzeug und Softwarekomponenten miteinander zu vereinbaren. Gerade darauf gehen meine Kollegen Silke Hertel und Richard Leitner auch in ihrem Artikel im aktuellen SQ Magazin ein.

Strenge Umweltaufl agen der EU und die Folgen des Abgasskandals 2015
setzen die Automobilindustrie (weiterhin) unter Druck. Die Rufe nach Innovationen vor allem in den Bereichen Antriebstechnik und Digitalisierung
werden lauter. Wie schnell führen die aktuellen Entwicklungen zu der endgültigen Ablösung des Verbrennungsmotors?

Zastrau: Ich persönlich halte die derzeit führenden Alternativkonzepte zum Verbrennungsmotor nicht für ausgereift. Wahrscheinlich ist es auch nicht ein Konzept, dass hier die Lösung bringt. Der Antrieb selbst, E-Motor, kann gut als gesetzt betrachtet werden. Was allerdings die mobile Energiequelle der Zukunft sein wird, ist sicher noch nicht entschieden. Eine endgültige Ablösung des Verbrennungsmotors wird vermutlich erst geschehen, wenn die Umweltbelastung aus alternativen Quellen beherrschbar geworden ist.
Zusätzlich zu den Antriebskonzepten wird hier allerdings auch ein neues Konzept der Mobilität gefragt sein. Gerade in urbanen Gebieten ist das Thema der gemeinsamen Nutzung von vielen Herstellern aufgegriffen worden. Die Geschäftskonzepte dahinter sollten
dabei im Wesentlichen an den Bedürfnissen nach Mobilität und der Lebensqualität in den Städten orientiert sein.

Was bringt die Zukunft für die Automobilbranche? Was ist Ihre persönliche Vision?

Schneider: Spannend bleibt, wie sich der Wettbewerb um die Oberhoheit der
Kundendaten zwischen IT- und Automobilbranche entwickelt. Die großen deutschen OEMs arbeiten mit Hochdruck an eigenen Fahrzeug-Betriebssystemen, um hier den Vorsprung von Google oder auch Tesla aufzuholen. Persönlich hoffe ich darauf noch in diesem Jahrzehnt, autonom fahrende Fahrzeuge als rollendes Büro oder auch Wohnzimmer zu nutzen. Und damit das nicht auf Kosten von Safety und Security geht, muss die Branche auch weiterhin die Qualitätssicherung fest im Blick behalten. Aber da unterstützt ja auch
der ASQF tatkräftig mit seinen Angeboten.

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